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Die biologische Abwasserreinigung hat das Ziel, die energiereichen, organischen
Schmutzstoffe des Abwassers in mineralische, energiearme Produkte umzusetzen.
Hierfür muss der natürliche Selbstreinigungsprozess der Gewässer in ein
technisches Verfahren umgesetzt werden.
Belebungsbecken, dahinter: Gebäude für Gebläse und Pumpen (im Keller), sowie
Online-Messung
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Das mechanisch vorgereinigte Abwasser wird dabei weitgehend zu gleichen Teilen
auf zwei biologische Reinigungsstraßen mit einem Gesamtvolumen von 2 x 4900 m³
aufgeteilt. Eine Reinigung bis auf eine Restverschmutzung von 1 – 2 % erfolgt
in diesen beiden parallel laufenden Straßen.
Verteilerbauwerk des Abwassers aus der Vorklärung in die zwei Straßen der
Belebung
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Das Belebungsbecken ist, abgetrennt durch Tauchwände, unterteilt in unbelüftete
und belüftete Zonen, wobei das Abwasser einen zweifachen Wechsel von
unbelüfteter zu belüfteter Zone kaskadenartig durchläuft, bevor es in die
Nachklärung
abgeleitet wird.
Zahllose
Mikroorganismen
(Bakterien, Ein- und Mehrzeller, Urtierchen etc.) in ihrer Gesamtheit als
Belebtschlamm oder Biomasse bezeichnet, nehmen die organischen Schmutzstoffe
als Nahrung auf und wandeln diese durch ihre Stoffwechseltätigkeit in einfache
organische Verbindungen, mineralische Stoffe und Gase um. Da die
Mikroorganismen bei ihren Lebensprozessen Sauerstoff benötigen, muss immer ein
genügend hoher Sauerstoffgehalt (1-2 mg/l) in den Belebungsbecken vorherrschen.
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Der Lufteintrag in das Abwasser- / Belebtschlammgemisch erfolgt durch
ein am Beckenboden installiertes Rohrleitungssystem, aufgeteilt in 16
Teilabschnitte, das mit insgesamt 2496 Membran-Tellerbelüftern bestückt ist.
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Belüftungsteller am Boden de Belebungsbecken
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Diese Belüfter gewährleisten sowohl einen feinblasigen Lufteintrag als auch die
Vermeidung von Ablagerungen und sind, aufgrund einer konstruktiv bedingten
Rückschlagventilwirkung auch bei ausgeschalteten Gebläsen verstopfungsfrei.
Belebungsbecken; belüftete Zone (aerob)
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Die hierfür erforderliche Druckluft erzeugen insgesamt drei
Drehkolbengebläse
. Die Regelung des Lufteintrages in die einzelnen Teilabschnitte der Belebung
erfolgt mittels 8 Blendenregulierschiebern, die über zugeordnete
Sauerstoffmesssonden angesteuert werden.
Durch 2 Absperrklappen in der Hauptluftleitung in der Gebläsestation ist es
möglich bei Bedarf eine der beiden Belebungsstraßen stillzusetzen.
Eine weitere Aufgabe der Belebtschlammanlage ist die Verminderung der
Stickstoff- und Phosphorverbindungen, der sogenannten Nährsalze. Die
Reduzierung des Stickstoffgehaltes erfolgt in 2 Stufen:
Stickstoffentfernung (Nitrifikation und Denitrifikation)
In der 1. Stufe, der Nitrifikation, wandeln Bakterien (Nitrifikanten)
Ammoniumstickstoff in Nitratstickstoff um, wobei sehr viel freier Sauerstoff
benötigt wird (aerobe Verhältnisse).
Im ersten Schritt wandeln Nitritbakterien Ammoniak (im Wasser gelöst als
Ammonium-Ionen (NH4+) vorliegend) in Nitrit.
Im zweiten Schritt wandeln Nitratbakterien die Nitrit-Ionen zu Nitrat-Ionen.
Belebungsbecken; unbelüftete Zone (anoxisch) mit Rührwerk
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In der 2. Stufe, der Denitrifikation, in der kein gelöster Sauerstoff vorliegt
(anoxisch), wandeln bestimmte Bakterienarten (Denitrifikanten) in ihrer
Stoffwechseltätigkeit den Nitratstickstoff in gasförmigen Sauerstoff und
Stickstoff um. Der Stickstoff entweicht in die Atmosphäre und der Sauerstoff
wird von den Bakterien bei ihren Lebensprozessen weiterverarbeitet.
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Um eine ausreichende Stickstoffeliminierung zu erreichen, muss aus den
Nitrifikationsbecken das nitrathaltige Belebtschlammgemisch mehrmals die
Denitrifikationszone durchlaufen. In den unbelüfteten Beckenzonen sorgen
insgesamt 4 Stück Vertikal-Rührwerke für die Duchmischung des
Belebungsschlammes und für die Vermeidung von störenden Ablagerungen auf dem
Beckenboden.
Biologische Phosphorentfernung (Bio-P)
Die biologische Phosphorverminderung erfolgt ebenfalls durch Bakterien, die
Phosphate in ihre Körpersubstanz einlagern.
Das Auftreten der biologischen Phosphorentfernung (Bio-P) lässt sich folgendermaßen erklären:
Die Mikroorganismen bauen in ihre Zellen im Abwasser gelösten Phosphor als Energieträger ein.
Die Bakterien nehmen also einen gewissen Teil des Phosphors auf. Setzt man die Bakterien unter
"Stress", so nehmen sie mehr Phosphor auf, als sie eigentlich müssten. Ein ständiger Wechsel
vom sauerstoffreichen- zum sauerstoffarmen Bereich, erzeugt diesen benötigten "Stress". Mit dem
sauerstoffreichen Nitrifikationsbecken und dem Denitrifikationsbecken, das praktisch keinen gelösten
Sauerstoff enthält, sind beide erforderlichen Verhältnisse bereits im Belebungsbecken vorhanden.
Gelangt nun die Biomasse mit den Bakterien im ständigen Wechsel vom Nitrifikationsbecken ins
Denitrifikationsbecken erhalten somit die Bakterien automatisch diese Stresssituation, die sie brauchen,
um mehr Phosphor als nötig aufzunehmen. Dieser Effekt wird auch auf der Kläranlage Miesbach gerne genutzt.
Eine gezielt gesteuerte biologische Phosphatentfernung wird jedoch nicht betrieben.
Die dabei erreichte Verminderung ist aber nicht ausreichend, so
dass der Restphosphor durch die
"chemische Fällung"
dem Abwasser entzogen wird. Bei all diesen Vorgängen in den Belebungsbecken,
sei es der Schmutzabbau, die Stickstoffumsetzungen oder die
Phosphoreliminierungen handelt es sich um eine Optimierung der biologischen
Verhältnisse, wie sie in jedem gesunden und natürlichen Gewässer vorherrschen
(Selbstreinigungskraft). Von den Belebungsbecken fließt das Gemisch aus
gereinigtem Abwasser und Belebtschlamm in die Nachklärbecken.
Beiden biologischen Stufen ist je ein
Nachklärbecken
nachgeschaltet.
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