| An
die Kläranlage in Miesbach des ZAS ist das Kanalnetz der
Verbandsgemeinden angeschlossen. Die Kanalisation wird als größtenteils
unterirdisches Bauwerk nur selten wirklich wahrgenommen. Erst wenn
irgendwo das Abwasser nicht mehr abläuft, ein Schachtdeckel klappert
oder ein Einsatzfahrzeug den Verkehrsfluss behindert, fällt es auf –
und das dann eher unangenehm. Dennoch ist das funktionierende Kanalnetz
ein wichtiger, unverzichtbarer Bestandteil der Abwasserentsorgung und
auch von hohem finanziellen Wert. Es sorgt dafür, dass das Abwasser aus
den Haushalten und Gewerbebetrieben umweltgerecht zur Kläranlage
transportiert wird. Insgesamt sind es ca. 130 km öffentliche Schmutz-
und Mischwasserkanäle.
| Die Entwässerung im
Verbandsgebiet erfolgt über zwei unterschiedliche Arten, die als Misch-
und Trennsystem bezeichnet werden. Das Mischsystem wurde in den
sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts und früher nach dem damaligen
Stand der Technik gebaut. Danach erfolgte der Bau von Abwasserkanälen
in erster Linie im Trennsystem. Dementsprechend liegen vor allem in den
alten Ortskernen Mischsysteme vor, während außerhalb der Zentren das
Trennsystem vorherrscht. So werden beispielsweise die südlich des
Schliersees gelegenen Ortsteile Neuhaus und Fischhausen ausschließlich
im Trennsystem entwässert. Beim Mischsystem werden
Schmutzwasser und Regenwasser gemeinsam über einen Revisionsschacht und
einen Anschlusskanal abgeleitet. Im sog. Trennsystem fließt
Schmutzwasser (Spül-, Wasch- und Toilettenwasser) über einen
Anschlusskanal mit Revisionsschacht in den öffentlichen
Schmutzwasserkanal ab. Das Regenwasser von Dachflächen und befestigten
Flächen wird separat gesammelt und in der Regel noch auf dem Grundstück
versickert. Gelegentlich wird es auch in einen öffentlichen
Regenwasserkanal, der auch zur Straßenentwässerung dient, eingeleitet.
Beim Trennsystem sind somit meist zwei öffentliche Kanäle vorhanden. |
Die
Abwassersysteme Mischsystem
und Trennsystem
werden in der Rubrik Grundstücksentwässerung mit schematischen
Darstellungen näher erklärt. Sie kommen dahin, in dem Sie auf die
blauen Begriffe klicken. Kanalreinigung:
Täglich werden große Abwassermengen durch die
Abwasserkanäle geleitet. Diese Leistung kann das System nur bei
regelmäßiger Pflege aufrecht erhalten. Die ZAS-Mitarbeiter führen mit
dem Spülwagen turnusmäßige Reinigungsarbeiten durch. Das gesamte
öffentliche Schmutz- und Mischwassernetz wird in der Regel alle drei
Jahre ein- bis zweimal gereinigt. Entstandene Ablagerungen werden mit
Hochdruck entfernt. Der Schlauch mit einer spezielle Reinigungsdüse am
Ende "schießt" vom Wasserdruck angetrieben durch die Kanäle. Dabei wird
das Wasser über die Düsen mit hohem Druck an die Rohrwand gesprüht. Es
werden damit Ablagerungen entfernt und in Fließrichtung zum nächsten,
abwärts liegenden Schacht transportiert. So kann Verstopfungen
vorgebeugt werden. Kanaluntersuchung und
-sanierung Die Einüberwachungsverordnung
(EÜV) verlangt, dass das öffentliche Schmutz- und Mischwassernetz mit
einer Kamera befahren wird und die Schäden dokumentiert werden. Dies
wurde vor 14 Jahren begonnen und 2001 für fast alle Kanäle
abgeschlossen. Für wenige, lagemäßig schwer zugängliche Kanäle steht
dies noch aus. In den letzten Jahren hat sich die Kameraausrüstung
erheblich weiterentwickelt, so dass die noch ausstehenden
Untersuchungen nun nachgeholt werden. Nach der Erstellung
eines Sanierungskonzeptes werden im Verbandsgebiet seit 2001 auch schon
die maroden öffentlichen Kanäle saniert. Damit sich die Bausubstanz
nicht weiter verschlechtert, müssen für diese dringend notwendigen
Sanierungsmaßnahmen von den Verbandsgemeinden Millionenbeträge
aufgebracht werden. Hier ist ein Beispiel eines
maroden Kanals (rechtes Video), der mit einem Inliner in grabenlosen
Bauweise saniert wurde (linkes Video). Die Abzweige wurden
nachträglich eingebunden. Dies ist die im Verbandsgebiet am häufigsten
angewandte Methode zur wirtschaftlichen und nachhaltigen Kanalsanierung:
Damit die Anstrengungen der Gemeinden wirklich Sinn
machen, müssen sich auch die gesamten privaten Leitungen und Schächte
der
Grundstücksentwässerung und des Anschlusskanals vom
jeweiligen Eigentümer untersucht werden und ggf. saniert werden.
Kanalkataster Das öffentliche
Kanalnetz besteht im Verbandsgebiet aus ca. 5.000 Haltungen (als
Haltung wird das Leitungsstück zwischen zwei Schächten bezeichnet).
Nahezu alle Schächte wurden tachymetrisch aufgemessen und sämtliche
Daten in das EDV-gestützte Kanalkataster „STRAKAT“ eingetragen. Auch
die Kamerabefahrungen der Haltungen werden eingepflegt. So erhält man
einen genauen Überblick über Lage und Zustand des Kanalnetzes.
Auszug aus dem Kanalkataster für öffentliche Kanäle (hier im
Trennsystem) |
Die vorhandenen Informationen über
Grundstücksentwässerungsanlagen und -anschlüsse sind in der
Betriebsführungssoftware „GS“ hinterlegt.
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